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eIDAS-Umsetzung in Deutschland ausbaufähig

(25.04.2018)

Behörden und Unternehmen haben die Potenziale für medienbruchfreie elektronische Geschäftsprozesse noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Zwar wurde am 01.07.2016 mit der eIDAS-Verordnung eine EU-weite Vereinheitlichung elektronischer Identifizierungs- und Vertrauensdienste geschaffen. Doch die damit verbundenen Chancen für technisch und rechtlich sichere Online-Prozesse sind in weiten Teilen noch ungenutzt. Auch die Kenntnis über die eIDAS-Verordnung selbst befindet sich bei Behörden und Unternehmen auf einem ausbaufähigen Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „eIDAS-ready – Status Quo und Roadmap zur Umsetzung elektronischer Vertraeunsdienste in Behörden und Unternehmen“, die Fraunhofer FOKUS und die Unternehmensberatung Bearing Point GmbH am 24.04.2018 vorgelegt haben.

Mehr als 500 Behörden und Unternehmen der Finanzindustrie und hochregulierter Branchen wurden im Rahmen der Studie dazu befragt, wie weit sie die eIDAS-Verordnung umgesetzt und für ihre Digitalisierungsstrategien nutzbar gemacht haben. Die digitalen Geschäftsprozesse, die die eIDAS-Verordnung behandelt, erstrecken sich vom rechtsverbindlichen elektronischen Unterschreiben über die sichere Übermittlung von Dateien bis zur Prozessintegration und der sicheren Aufbewahrung.

43 Prozent der Befragten sind die wesentlichen Inhalte der IDAS-Verordnung bekannt. Ein änliches Bild zeichnet die Frage nach der Bekanntheit des Vertrauensdienstegesetzes, mit dem die eIDAS-Verordnung in Deutschland umgesetzt wurde. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei den Befragten um in diesem Bereich tätige Personen handelt, ist der ermittelte Kenntnisstand eher als begrenzt einzuschätzen. Das Bewusstseint für die Relevanz und vor allem die Chancer der Verordnung ist insofern noch zu stärken.

Rund die Hälfte der befragten Organisationen haben bereits vollständig oder teilweise medienbruchfreie Geschäftsprozesse umgesetzt. Gleichzeitg planen 38 Prozent der Befragten, alle Geschäftsprozesse vollständig zu digitalisieiren. 40 Prozent der Teilnehmer sind derzeit noch unentschlossen. Hinsichtlich der Anwendungsfälle für die Digitaliserung stehen die E-Akte, die Umsetzung von Fachprozessen und die elektronische Abbildung von Vertragaabschlüssen und Finanzdienstleistungen im Vordergrund.

Etwa die Hälfte der teilnehmenden Organisation nutzt die qualifzierte elektronische Signatur. 30 Prozent der Beteiligten nimmt eine Signatuprüfung beim Eingang signierter Dokumente vor. Von dem rund einem Drittel der befragten Insstitutionen, die Erfahrung im Umgang mit der Signatur und mit Zeitstempeln besitzen, nutzt die Mehrheit die Technologien zudem auch zur Erzeugung und Prüfung von Zeitstempeln. Für 32 Prozent der Beteiligten spielt sichere Datenübermittlung an Unternehmen, Behörden sowie Privatpersonen eine erfolgskritische respektive wichtige Rolle.

Ein interessantes Bild bietet sich auch bei der Digitalisierung papierner Dokumente: Mehr als die Hälfte der beteiligten Organisationen haben hier nach eigenen Angaben keine klare Strategie. Nur rund ein Viertel der Teilnehmer digitalisiert Unterlagen, um die Papieroriginale im Anschluss zu vernichten, ein weiteres Viertel bewahrt die Papieroriginale langfristig auf. Die Hälfte der Teilnehmer machten keine Angaben.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass nicht nur die fehlenden Informationen ein Hemmnis für die Umsetzung von eIDAS-Projekten sind. Weitere Schwierigkeiten beziehen sich auf organisatorische Fragestellungen, rechtliche Unsicherheiten und technische Umsetzungsprobleme. Hier seien Informationsveranstaltungen, Best-Practise-Beispiele und spezifische Beratungsangebote gefragt. Im Fazit wird zudem für einen „gesunden Pragmatismus“ auch bei deutschen Vertrauensdiensteanbietern und Aufsichtsbehörden plädiert, um innerhalb des EU-weiten Wettbewerbs erfolgreich zu bestehen.

Die komplette Studie „eIDAS-ready – Status Quo und Roadmap zur Umsetzung elektronischer Vertraeunsdienste in Behörden und Unternehmen“ von Fraunhofer FOKUS und Bearing Point GmbH steht zum Download zur Verfügung.

 

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